Tipps bei Störungen und Synchronisierungsabbrüchen

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Moderatoren: Sven, Yusuf, Florian S.

Haben Ihnen die Lösungsansätze bei der Fehlersuche genutzt ?

Ja
13
39%
Nein
10
30%
Dieses Thema ist mir zu komplex, ich benötige eine einfachere Lösung
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Tipps bei Störungen und Synchronisierungsabbrüchen

Beitragvon NetWraith » 14.09.2009, 19:46

Hallo,

da im Forum immer häufiger Störungen und Verbindungsabbrüche gemeldet werden, möchte ich ab jetzt mit diesem Thread versuchen einige allgemeine Tipps und Abhilfen bei Störungen zu geben.

Hierbei soll nun nicht M-Net aus seiner Pflicht genommen werden eine störungsfreie Leitung zu liefern, aber es drängt sich bei dr Schilderung der diversen Problemen immer mehr der Verdacht auf, daß die meisten Störungen "hausgemacht" sind und nach dem APLauftreten.

Um "das Rad nicht neu erfinden" zu müssen, verweise ich gerne auf bestehende Internetseiten, auf denen schon Lösungen oder Ratschläge angeboten wurden.

Außerdem lade ich jedes Mitglied im Forum ein, sich mit konstruktiven Tips und Lösungen zu beteiligen.

Allderdings sollen in diesem Thread KEINE Einzelfälle gelöst werden. Ich bitte daher alle Teilnehmer dies weiterhin in extra Threads zu machen. Desweiteren bitte ich die Mitglieder, die eine Lösung oder Tip parat haben, diese sachlich, allgemein gültig und vorallem verifizierbar zu veröffentlichen.
"Voodoo-Lösungen" oder Lösungen bestehend aus "gefährlichem" Halbwissen sind nicht akzeptabel.

Vielleicht kann man diesen Thread, wenn er sich positiv entwickelt auch "sticky" machen. Dann können sich Anfänger leichter orientieren.

So, im nächsten Beitrag soll es nun los gehen.

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Störungen - wo können Sie auftreten?

Beitragvon NetWraith » 14.09.2009, 20:19

Damit man mit praktischen Lösungen beginnen kann, soll nun zuerst ein wenig Theorie erklärt werden.

Welche Arten von Störungen können auftreten ?
  • Störeinstrahlung durch Rundfunksender auf die TAL
  • Übersprechen von benachbarten DSL-Anschlüssen auf der TAL
  • Störeinkoppelung durch das am Splitter angeschlosse Telefon bzw. TK-Anlage
  • Störeinkoppelung durch das Stromnetz
  • Störeinkoppelung durch das Netzwerk am Ethernetport
  • sonstige Störeinstrahlung auf der TAL oder am DSL-Modem
Was muß man bei der Entstörung beachten ?
  • Die Dämpfung zwischen DSLAM und DSL-Modem sollte durch die Entstörmaßnahmen nur minimalst erhöht werden - am besten ist natürlichen, wenn keine Erhöhung der Dämpfung auftritt
  • Der Frequenzbereich, der für ADSL, ADSL2 und ADSL2+ verwendet wird, sollte nicht durch Filter-Eigenschaften der Entstörung eingeschränkt werden (z.B. Tiefpaß, Bandpaß, ...)
  • Die Entstörmaßnahmen sollten für die gesamte Bandbreite des Trägerspektrums des DSL-Signals ausgelegt sein
Wie sieht ein DSL-Signal aus ?

Um das Rad nicht neu erfinden zu müssen, verweise ich an diesem Punkt auf folgende Internetseiten, auf denen der Aufbau des ADSL-Signals recht anschaulich erklärt wird:

Beim Aufbau des DSL-Signals ist wichtig zu wissen, daß durch die Aufsplittung des Datensignals in einzelne Trägerfrequenzen - den sog. "Tones" - bei auftretenden Störungen nur die gestörten Trägerfrequenzen ausfallen. D.h. die Datenrate sinkt "nur" auf dem gestörten Träger (Tone). Wäre das DSL-Signal ein einzelnes breitbandiges Signal mit einer zentralen Trägerfrequenz, dann würden sich Störungen viel stärker bemerkbar machen und die Nutzdatenrate würde bei Störungen rapide sinken.

Desweiteren ist es wissenswert, daß es sich beim DSL-Signal um eine differentielle Übertragung handelt. D.h. als Signalinhalt wird nur der Unterschied zwischen beiden Zuleitungen (a-/b-Ader) vom DSLAM zum Modem ausgewertet. Gleichtaktstörungen, die auf beiden Leitungen zu gleichen Anteilen auftreten, werden dagegen nicht ausgewertet.


Wie kann man das DSL-Signal verbessern ?

Leider ist eine aktive Signalaufbereitung (-verstärkung) für den Heimbereich sehr aufwendig und diese sollte idealerweise an dem Punkt der TAL sitzen, an dem das Signal noch die beste Qualität besitzt. Da dieser Punkt irgendwo zwischen dem APL und dem DSLAM liegt und man auf diesem normalerweise keinen Zugang hat, muß man stattdessen versuchen, möglichst viele Störungen, die das Nutzsignal beeinflussen, vor dem Modem zu filtern bzw. zu unterdrücken.

An dieser Stelle greift jetzt die in diesem Projekt vorgestellte Lösung. Da es sich bei dem DSL-Signal um eine differentielle Signalübertragung handelt, können Gleichtaktstörungen, die auf beiden Adern einer TAL auftreten sehr leicht unterdrückt werden - Gegentaktstörungen dagegen sehr schwer, da dies auch einen direkten Einfluß auf das DSL-Signal haben würde.

Obwohl durch die differentielle Übertragung eine symmetrische Störeinkoppelung eigentlich ohne Auswirkungen auf das Nutzsignal sein sollte, sinkt dennoch bei sehr starker Störeinkoppelung die Gleichtaktunterdrückung (CMRR). Das SNR und somit auch das Nutzsignal werden schlechter, die Synchronisationsrate zwischen Modem und DSLAM sinkt bzw. bei sehr ungünstigen Fällen ist eine Synchronisation gar nicht mehr möglich. Um den Signaleingang des Modems zu entlasten und Gleichtaktstörsignale effektiv zu unterdrücken, bieten sich in diesem Fall stromkompensierte Drosseln (ugs. "Doppeldrosseln") an. Da die einzelnen Trägerfrequenzen (Tones) des DSL-Signals ein Frequenzspektrum von ca. 25 bis 2204 kHz belegen und somit hochfrequenztechnisch gesehen noch recht niederfrequent sind, sollte die Drossel ein hohe Induktivität aufweisen. Um aber auch die komplette Bandbreite effektiv abzudecken, sollte der Filter idealerweise aus mehreren Drosseln bestehen, die dann die verschiedenfrequenten Störeinkoppelungen bedämpfen. Ebenso sollte das DSL-Nutzsignal so wenig wie möglich beeinflußt werden, d.h. die Drosseln sollten eine möglichst geringe Streuinduktivität aufweisen.

[Auszug aus meinen Entstörungsprojekt unter http://www.netpirate.de - dort findet man auch weitere Links zu diesem Thema]


Da bis jetzt nur theoretisch auf mögliche Störungen auf der TAL eingegangen wurde, möchte ich im nächsten Thread ein paar typische Störquellen im eigenen Haus und deren Beseitigung beschreiben. Interessant ist dann vorallem, daß viele Störquellen gar nicht im Kontakt mit der TAL kommen, sondern z.B. auch aus dem Stromnetz durch das Netzteil, bei einigen Fritzboxen sogar von diesem, ins Modem einkoppeln können.

Bitte haben Sie aber auch Verständnis, wenn ich nicht alles an einem Abend machen kann :wink: . Deshalb werde ich diese Thematik auch auf verschiedene Beiträge in diesem Thread aufsplitten und bei Bedarf erweitern bzw. korrigieren.

Ich hoffe, das Ganze wird dem Einen oder anderen auch weiterhelfen.

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Nützliche Links rund um dieses Thema

Beitragvon NetWraith » 14.09.2009, 20:34

Nützliche Links rund um dieses Thema

1. eingesetzte Modems und Router
2. Tools zum Modem auslesen
3. DSLAM Informationen

4. Informationen rund den Telefonanschluß und die Verkabelung (Analog und ISDN)
5. Tipps zur Fehlersuche und zum Entstören
6. Foren und Communities
7. Shops (zur Beschaffung von Bauteilen oder Komponenten)
8. Speedtest-Seiten im Internet


Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll primär als Basis in den folgenden Beiträgen und für weitergehende Recherchen dienen.

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Zuletzt geändert von NetWraith am 29.08.2010, 12:59, insgesamt 6-mal geändert.
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Einfache Fehler und Störungen in der Varkabelung beseitigen

Beitragvon NetWraith » 15.09.2009, 10:01

Nachdem in den letzten Beiträgen etwas Theorie angesagt war, möchte ich nun beginnen die Lokalisierung und Beseitigung von einfachen bis komplexeren Stör- und Fehlerquellen zu zeigen.

Wichtig:
Da es sich in diesem Thread um die Behebung von Störungen und Verbindungsabbrüchen (Neusynchronisierung des Modems) handelt, gehe ich jetzt erst einmal davon aus, daß jeder Sein DSL-Modem oder -Router richtig angeschlossen und konfiguriert hat.

Mögliche Fehler in der Verkabelung:
  1. TAE-Buchse korrodiert
  2. TAE-Stecker korrodiert
  3. Splitter defekt
  4. Adern der Anschlußleitung vertauscht
  5. TAE-Dose defekt (gerade bei in Serie geschalteten Dosen)
  6. Kabelbruch zwischen erster TAE-Dose und Splitter
  7. Kabelbruch zwischen Splitter und Modem
  8. "Kabelsalat" rund ums Modem
  9. TAE-Verlängerungen (Telefonverlängerungen mit TAE-Buchse und Stecker)
Fehlerbeseitigung:
zu 1. und 2.:
Sollten Kontaktschwierigkeiten z.B. ausgelöst durch Oxidation der Kontake auftreten, können diese am einfachsten mit feinem Schmirggelpapier oder einem Glasfaserpinsel beseitigt werden.

Achtung:
Beim Einsatz von Kontaktsprays (z.B. Kontak 61) unbedingt die Kontakte nachher mit Kontakt WL, Isopropanol oder Spiritus reinigen, da sonst die Säure, die in den meisten Kontaktsprays enthalten ist, die Kontake weiter angreifen und auch elektrochemische Zersetzungsprozesse stattfinden können.

Wenn die Kontakte einer TAE-Dose stark korrodiert sind, empfiehlt es sich auch hier die komplette Dose zu tauschen.

zu 3.:
Wenn der Splitter defekt sein sollte, sollte dieser getauscht werden. Meines Wissens nach bekommt man jederzeit von seinem Provider einen neuen umsonst.
Sollte dies nicht der Fall sein, kann man, gute Nachbarschaft vorausgesetzt, auch einmal bei seinem Nachbar anklopfen und fragen, ob dieser seinen Splitter ausleihen könnte (Vorschlag des Users "morph").

zu 4.:
Bitte überprüfen Sie den korrekten Anschluß der a- und b-Ader an der ersten TAE-Dose oder Splitter. Alternativ kann statt der ersten TAE-Dose auch direkt der Splitter an die beiden Adern der Amtsletung angeschlossen werden. Somit erspart man sich eine Fehlerquelle, die durch die korrosion der Kontake der TAE-Dose entstehen kann.
Eine gute Hilfe zum Thema Anschlußtechnik findet man in dem Telefonskript von Prof. Jürgen Plate (Computertreff im BR) unter: http://www.netzmafia.de/skripten/telefon/index.html

zu 5.:
Sollte bei in Serie geschalteten TAE-Dosen eine defekt sein - d.h. die auf den Klemmen 1,2 ankommende a/b-Adern werden nicht an die Klemmen 5,6 durchgeschleift, wenn KEIN Stecker in der Dose steckt - dann sollte die TAE-Dose ausgetauscht werden.
Man sollte ebenfalls die Dose auswechseln, wenn man feststellt, daß das Modem schneller und stabiler synchronisiert, wenn man dieses (inkl. Splitter an eine dieser Dosen ansteckt. Besser ist natürlich, diese Dose komplett zu überbrücken, da vor dem Splitter auf keinen Fall ein Telefon angeschlossen werden darf.
Die a- und b-Ader können am einfachsten mit den Scotchlok-Klemmen von 3M verbunden werden. Bitte auf den korrekten Anschluß achten !

zu 6.:
Wenn das Anschlußkabel von der ersten TAE-Dose zum Splitter einen "Wackelkontakt" bzw. Kabelbruch aufweisen sollte, dann empfiehlt es sich dieses gegen ein neues zu tauschen. Alternativ kann der Splitter auch direkt an die Klemmen 5 und 6 der ersten TAE-Dose oder besser direkt an die Amtsleitung angeklemmt werden. So erspart sich auch künftige Fehlerquellen durch Korrosion. Geeignete Anschlußkabel findet man z.B. bei Reichelt Elektronik.

zu 7.:
s. Punkt 5
Leider bieten heute keine Modems mehr die Möglichkeit eines "Festanschlusses" durch direktes Anklemmen der vom Splitter ankommenden Adern. D.h. es muß ein neues Kabel gekauft oder konfektioniert werden.

zu 8.:
Da das DSL-Signal ein hochfrequentes Signal ist, welches über eine im Idealfall verdrillte und ungeschirmte Leitung geführt wird, sollte "Kabelsalat" im Bereich des Modems vermieden werden. D.h.:
  • alle Zuleitungen zum Modme sollten so kurz wie möglich gehalten werden
  • Sollten die Zuleitungen zu lang sein, sollten diese je für sich aufgewickelt und mit Kabelbinder fixiert werden
  • Auf keinen Fall sollten alle möglichen Kabel (Strom-, Netzteil-, Netzwerk-, Telefonleitungen) parallel aufgewickelt werdeb oder wirr durcheinander liegen. Auf eine saubere Leitungsführung ist zu achten.

    Folgendes Beispiel im MNet-Forum zeigt, wie sich "Kabelsalat" auswirken kann: http://forum.m-net.de/viewtopic.php?t=4994&postdays=0&postorder=asc&start=30

    zu 9.:
    Viele User setzen für die "letzten Meter" von der TAE-Dose zum Splitter sog. TAE-Verlängerungskabel ein, die auf der einen Seite eine TAE-Buchse und auf der anderen Seite einen TAE-Stecker haben. Diese Kabel sind ideal, wenn man sein Telefon nicht in der Nähe der ersten Telefondose oder des Splitters hinstellen möchte.
    Wenn man diese Verlängerungen aber zwischen der TAE-Dose und dem Splitter einsetzt, dann kann es aufgrund des einfachen Aufbaus des Verlägerungskabels zu einer höheren Dämpfung und vorallem, durch die fehlende Verdrillung der Adern, zu einer höheren Empfindlichkeit für Störeinstrahlungen kommen, was im Gesamten die Qualität des DSL-Signals verschlechtert.

    Zusammenfassung:
    • Zwischen Amtsanschluß, Splitter und Modem sollte so wenig Kabel wie möglich sein. Der Grund ist nicht eine geringere Dämpfung, sondern eine geringere Wahrscheinlichkeit von Störeinkoppelungen durch andere Haushaltsgeräte (Stichwort: "Kabelsalat" oder falsche Kabel).
    • Es sollten bei "Festanschluß-" oder Verlegearbeiten nur die dafür vorgesehenen verdrillten Fernmeldeleitungen oder CAT5/6/7-Kabel (ideal mit PiMF) verwendet werden (z.B. erhältlich bei Reichelt Elektronik, Conrad, etc.)
    • Idealerweise befindet sich die erste TAE-Dose, der Splitter und das Modem in unmittelbarer Nähe zum APL (Hausanschluß der Telekom). So ist die Wahrscheinlichkeit, daß über die Hausverkabelung Störungen eingekoppelt werden am geringsten. Leider ist das nicht bei jedem (z.B. in Mietshäuserm) möglich.
    • Um einen Großteil an Fehlerquellen beim Anschluß des Modems an den Amtsanschluß des Providers zu vermeiden, empfehle ich die Leitungen direkt an die vorgesehnen Klemmen anzuschließen. Mögliche schlechte Steckkontakte an der TAE-Dose oder Splitter werden somit am Besten umgangen.


Bei dem nächsten Beitrag werde ich auf Störeinkoppelungen durch andere Haushaltsgeräte und Computer-Peripherie eingehen und auch zeigen, wie man diese Netzteilseitig unterdrücken kann.

Erst zum Schluß möchte ich auf die Unterdrückung von Gleichtaktstörungen auf der TAL eingehen, da dies der komplexeste Teil dieses Themas ist.

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Zuletzt geändert von NetWraith am 24.01.2010, 11:33, insgesamt 3-mal geändert.
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Störeinkoppelung durch das Stromnetz

Beitragvon NetWraith » 16.09.2009, 12:37

So, nachdem die meisten Kontakt- und Verkabelungsprobleme auf der WAN-Seite gelöst sein sollten, möchte ich auf mögliche Störungen, die über das Stromnetz einkoppeln, eingehen.

Prinzipiell sollte und darf eine Niederspannungsleitung (dazu gehört auch eine TK-Leitung) nicht neben einer netzspannungsführenden Leitung verlegt werden.
Leider läßt sich das nicht immer vermeiden. Deshalb sollte immer auf genügend Abstand nicht nur wegen der Sicherheit, sondern auch aufgrund von Störeinkoppelungen geachtet werden. "Kabelsalat" sollte generell vermieden werden.

Mögliche Störeinkoppelungen über das Stromnetz können zum Beispiel sein:
  1. schlechte oder defekte Schaltnetzteile (z.B. defektes PC-Netzteil, Peripherie mit einfach konstruierten Schaltnetzteilen wie USB-Festplatten, Scanner, Netzwerkswitches, ...)
  2. Starkstromgeräte (z.B. Kreissäge)
  3. Motoren (z.B. Bohrmaschine, Küchenmaschine)
  4. Energiesparlampen (mit Vorschaltgerät)
  5. LED-Leuchten
  6. Haushaltsgeräte (Mixer, Waschmaschine, Trockner, Mikrowelle, ...)
  7. Dimmer (allgm. Phasenanschnittsteuerungen)
  8. PLC-Geräte (Vernetzung über das Stromnetz)

Warum stören diese Geräte?
Die meisten Modems besitzen ein einfaches AC-Netzteil, daß die ortsübliche Netzspannung auf einen niedrigeren Spannungswert heruntertransformiert. Manche Modems, z.B. die Fritzboxen, besitzen stattdessen ein Schaltnetzteil, welches z.T. bereits selbst eine mehr oder weniger starke Störquelle für das Modem darstellen kann.
Wenn nun die Netzspannung mit Störsignalen, Spikes, HF, etc. "verseucht" wird, dann werden diese Störungen meist ungefiltert ins Modem weitergeleitet. Dort beeinflussen Sie je nach Design und Layout der Modemschaltung die Signalqualität des DSL-Signals.

Bild

Dieses Bild eines Spektrums einer Fritzbox 3170 zeigt gut den Einfluß verschiederner Störungen auf das DSL-Signal. Die vielen kleinen Spitzen, die in regelmäßigen Abständen nach unten zeigen, sind harmonische Oberwellen des eigenen Schaltnetzteils. Die beiden großen Einbrüche sind starke Mittelwellensender, welche sowohl über die TAL als auch das Stromnetz einkoppeln können.

Was kann man dagegen machen ?
Zuerst muß einmal der Störer gefunden werden. Wenn die Vebindungsabbrüche erst seit kurzer Zeit bestehen, sollte man überprüfen, ob in diesem Zeitraum neue elektrische Geräte gekauft und in Betrieb genommen wurden. Gerade in Mietshäusern mit einer hohen Anzahl an Mietparteien wird es umso schwieriger, da an nicht weiß, wer genau die Störung verursacht.

Ist aber der Störer erst einmal gefunden, sollte dieser als erstes beseitigt werden. Sollte dies nicht gelingen, kann man versuchen die Stromversorgung zum Modem zu filtern.

Dies kann auf 2 Arten geschen:
  • Durch wirksame Netzfilter - z.B. von Auth Nachrichtentechnik oder Eigenbau (s. mein Projekt)
  • Verdrosselung der Zuleitung vom Netzteil zum Modem - z.B. durch das Wickeln der Zuleitung um einen hochpermeablen Ringkern

Leider ist die Verdrosselung der Zuleitung vom Netzteil zum Modem alleine ist nicht immer sehr wirksam, aber besser als nichts. Idealerweise setzt man beide Entstörmaßnahmen ein, um ein ideales Ergebnis zu erhalten.

Beispiel:
Vor kurzem hatte ich Email-Kontakt mit einem User, bei dem ein defektes PC-Netzteil die ReSyncs plötzlich ausgelöst hat, obwohl der PC immer noch funktionierte. Wahrscheinlich ist die PFC defekt.
Genauso kann bei grenzwertigen Leitungen das Schaltnetzteil der Fritzboxen die Signalqualität entscheidend negativ beeinflussen. Erst ein konventionelles Netzteil mit vorgeschalteten Filter kann dann das Signal "retten". Alternativ kann auch die Fritzbox gegen ein anderes Modem/Router z.B. von Thomson oder Siemens getauscht werden.

Fazit:
Wenn also plötzlich Verbindungsabrüche auftreten, obwohl vorher jahre- oder monatelang alles einwandfrei lief, kann es sich dabei um einen neuen Störer, der über das Stromnetz einkoppelt, handeln.

Vielleicht findet der Eine oder Andere schon jetzt den Grund seiner häufigen Verbindungsabbrüche.


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Zuletzt geändert von NetWraith am 27.09.2009, 20:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Verdrosseln aller Zuleitungen

Beitragvon NetWraith » 17.09.2009, 20:03

Achtung: Dieser Beitrag ist etwas für Leute, die sich tiefer mit der Matarie beschäftigen wollen, und für Elektronik-Freaks !

Eine weitere Möglichkeit Störsignale zu unterdrücken bzw. zu filtern, besteht darin, alle Zuleitungen zum Modem zu verdrosseln. Hierbei wird das Nutzsignal zwar noch durchgelassen, Störsignale (meist hochfrequenter Art) dagegen unterdrückt. Je nach Ausführung dieser Entstörmaßnahme, kann diese auch das DSL-Nutzsignal beeinflussen.

Im vorhergehenden Beitrag habe ich das schon zum ersten Mal bei der Zuleitung vom Netzteil zum Modem kurz beschrieben. Im Grundprinzip gilt das genauso für die Datenleitungen (Netzwerk- und DSL-Leitung/TAL). Da an diesen Leitungen aber höhere Frequenzen anliegen, muß in diesem Fall etwas sorgfältiger gearbeitet werden.

Zuerst etwas Theorie - Wie funktioniert eine stromkompensierte Drossel (ugs. Doppeldrossel) eigentlich?

Bild

Eine stromkompensierte Drossel besteht aus mehreren Leitungen, die gleichsinnig um einen Ringkern gewickelt werden. In unserem Fall sind es zwei Leitungen - eine bifilare Wicklung.

Diese zwei Leitungen - Zwillingslitze oder besser verdrillte isoliert Einzeladern z.B. AWG-24 0,5mm oder spannungsfester Kupferlackdraht mit 0,5mm - werden nun um einen hochpermeablen Ringkern gewickelt.

Bild

Man erhält so eine Drossel mit einem 2-adrigen Ein- und Ausgang (s. Bild oben). Der Strom des DSL-Signals fließt nun von der ersten Ader durch die erste Wicklung auf dem Ringkern hindurch zum Modem und von dort aus durch die zweite Wicklung zurück. Dabei entstehen zwei gegenseitig gerichtete Magnetfelder, die sich im Idealfall auch wieder gegenseitig aufheben und somit für das DSL-Signal keinen Widerstand bilden.
Störsignale, die von außen auf beide Leitungen einkoppeln, bauen dagegen im Ringkern kein sich entgegengesetztes Magnetfeld auf und werden sehr stark bedämpft.
Das Modem bekommt ein "sauberes" Eingangssignal, welches von anderen stark einkoppelden Gleichtaktstörungen befreit ist.

Das Gleiche kann man auch am Netzwerkanschluß realisieren. Allderdings ist es dort einfacher, ein ungeschirmtes Patchkabel (UTP) mehrfach durch einen hochpermeablen Ringkern zu ziehen. Im Hintergrund des unteren Bildes sieht man auch noch die verdrosselte Zuleitung des Modemnetzteils.

Bild

Eine genauere Beschreibung zur Funktionsweise einer stromkompensierten Drossel findet man auch unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stromkompensierte_Drossel#Stromkompensierte_Drosseln
http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichtaktst%C3%B6rung

Sehr lesenswert zu diesem Theme ist folgender "Megathread" im MHilfe-Forum:
http://forum.mhilfe.de/viewtopic.php?t=2027

Um nicht nochmals die ganzen Versuche und Aufbauten zu diesem Thema in einem Beitrag zu posten, verweise ich an dieser Stelle auf mein komplettes (A)DSL(2+)-Enstörprojekt auf meiner eigenen Webseite.

Ich weiß, diese Thematik ist nicht ganz trivial, aber aufgrund des Einsatzes von immer mehr Elektronik und oft billigst gefertigten Schaltznetzteilen, Vorschaltgeräten bei LED- und Energiesparlampen, Leistungelektronik und -geräten ist eine genaue Analyse aller möglichen Einflüße unabdingbar.

Leider folgen viele Provider immer mehr dem Wunsch des Kunden ein billiges bzw. kostenloses Modem/Router dem Anschluß bei zu legen. Gerade hier ist Sparen oft der falsche Weg. Ein vernünfitges Modem bzw. Router mit integrierten Modem wäre da oft sinnvoller und der Kunde, auf Dauer zufriedener. So gilt einfach die alte Regel, wer billig kauft, kauft oft zweimal.

Im abschließenden Beitrag werde ich nun eine kleine und hoffentlich leicht verständliche Checkliste für "unerklärbare" Synchronisationsabbrüche erstellen. Mit dieser sollte jeder etwas technisch-versierte User zurecht kommen und evtl. die Störung lokalisieren und beseitigen können.

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Zuletzt geändert von NetWraith am 27.09.2009, 20:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Checkliste zur Beseitigung von Störungen

Beitragvon NetWraith » 18.09.2009, 23:00

Folgende Checkliste soll eine Hilfe für alle DSL-Anschluß-Besitzer sein, bei denen Synchronisierungsabbrüche auftreten:

Checkliste
  1. Überprüfung aller Steckverbindungen (schlechter Kontakt, defekte Stecker, Buchsen, Dosen, ...)
  2. Überprüfung aller Anschlußkabel (Kabelbruch, Wackelkontakt)
  3. Überprüfung des Splitters
  4. Überprüfung der Leitungsführung
  5. Wurden neue elektronische Geräte (Haushaltsgeräte, Unterhaltungsgeräte, Computer-Peripherie) in Betrieb genommen?
  6. Überprüfung des DSL-Spektums z.B. via Webinterface (z.B. Fritzboxen) oder via Softwaretools (OrbMT, DMT, STMT)
  7. Modem vielleicht doch defekt ?
  8. Rücksprache mit Support-Hotline, ob DSLAM-Probleme vorliegen
  9. DSL-Profil von MNet korrigieren lassen (lieber ein wenig weniger SPeed, aber dafür stabiler)

Die Lösungen für die hier genannten Punkte findet Ihr in den Beiträgen zuvor oder in den noch kommenden.

Ich hoffe, ich hab jetzt nichts vergessen. Sollte dennoch etwas fehlen oder falsch sein, ich bin für jede Erweiterung und konstruktive Kritik dankbar. Bitte schickt mir Korrekturen am Besten per PN zu. Ich werde diese dann bei den entsprechenden Stellen einpflegen.
Sinnvolle Erweiterungen oder Erkenntnisse könnt Ihr ab sofort selbst beschreiben (ich hoffe die Moderatoren haben dies freigegeben). Bitte achtet dabei auf die schriftliche Form.

Desweiteren werde ich im nächsten Beitrag ein paar typische DSL-Spektren zeigen und deren Ursache beschreiben.

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Zuletzt geändert von NetWraith am 27.09.2009, 20:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon NeTwork » 19.09.2009, 01:12

STICKY PLEASE!

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Typische DSL-Spektren und ihre Ursache

Beitragvon NetWraith » 27.09.2009, 20:50

So jetzt bin ich wieder im Lande und möchte in diesem Betrag typische DSL-Spektren zeigen und deren Ursache und evtl. Lösung beschreiben.

Diese Spektren stammen zum Teil von meinem Anschluß oder habe ich auf meiner Reise zur Erweiterung meines Wissens im Internet gefunden :idea: . Nicht alle Spektren betreffen MNet zur Zeit, aber vielleicht in der Zukunft.

Bestimmung der Tragerfrequenz (ein bißchen Mathematik vorweg):
Trägerfrequenz = Trägernummer * 4,3125kHz

Wie komme ich an das Spektrum?
  • entweder über die Statusseite Ihres Modems/Routers (z.B. bei Fritzbox -> Internet -> DSL-Informationen -> Spektrum)
  • über Zusatztools wie OrbMT, STMT, DMT, ... (Links im Beitrag weiter oben)


1. Ausblendung des RFI-Bereichs (ca. 1,8-2MHz)

Bild

Im oberen Spektrum erkennt man gut, daß die Träger von 410-475 (ca.) ausgeblendet sind und somit nicht für den Downstream genutzt werden können. Da dieser Frequenzbereich diversen zivilen und militärischen Funkdiensten (z.B. Amateurfunk 160m-Band) zugewiesen ist und nicht gestört werden darf, können diese Träger Providerseitig am DSLAM ausgeblendet werden.


2. DPBO = Downstream Power Back Off

Bild

Beim DPBO wird speziell im unterem Downstreambereich die Träger ausgeblendet (in dieser Graphik Träger 64-ca.140). DownStream Power Back Off (DPBO) ist eine Technik, die das Problem beheben soll, TALs von Mitbewerbern eines Leitungsbesitzers nicht durch das eigene DSL-Signal zu stören. Speziell beim Ausbau von Außenbereichen eines bereits schwach versorgten Gebiets (Stichwort "DSL light") mit Outdoor-DSLAMs, stören die durch den Outdoor-DSLAM versorgten TALs die bestehenden von der Vermittlungsstelle (HvT) versorgten TALs durch ein stärkeres Übersprechen.
Um dies zu unterbinden, wird DPBO eingesetzt und die unteren Träger ausgeblendet. So ist auch für den Wettbewerb eine Koexistenz möglich.

Mehr zu DPBO auch unter: http://www.telekom.com/dtag/cms/content/dt/de/540428


3. Mittelwellenrundfunk

Bild

In diesem Spektrum erkennt man die beiden Einbrüche der um die Träger 340 (=1466,2kHz) und 357 (=1539,5kHz). Sie entstehen durch die leistungsstarken Mittelwellensender in Roumoules (Frankreich) und Mainflingen (Deutschland).
Mittelwellensender können sowohl über die TAL, als auch über das Stromnetz einkoppeln in das Modem einkoppeln.


4. Oberwellen z.B. erzeugt durch Schaltnetzteile

Bild

Dieses Spektrum ist ein Paradebeispiel, wie z.B. schlecht entstörte Schaltnetzteile Oberwellen in der Frequenznutzung eines DSL-Signals erzeugen können. Wer auch nur ansatzweise Einbuchtungen in regelmäßigen Abständen in seinem DSL-Spektrum feststellt, sollte sich auf der Suche nach einem solchen Störer machen.


5. Mischstörung (Mittelwellensender und Oberwellen)

Bild


6. sauberes Spektrum ohne nenneswerte Störungen

Bild

Dieses Spektrum stammt von meinem Anschluß während meiner ganzen Entstörversuche.


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Bei Unklarheiten -> Bitte Fragen !

Beitragvon NetWraith » 29.09.2009, 21:10

Hallo,

so, nachdem ich mittlerweile gelesen habe, daß manchem User die Thematik der Entstörung "zu hoch" und unverständlich ist, bitte ich alle, die Fragen zu diesem Thema haben, diese zu stellen Andere User (hoffe ich zumindestens) und ich werden versuchen, diese zu beantworten.

Übrigens, so kann eine komplette Enstörung aussehen :) :

Bild

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Zuletzt geändert von NetWraith am 02.10.2009, 17:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon stbi » 30.09.2009, 02:17

Interessant, die technischen Hintergründe zu den verschiedenen Störungen und deren Beseitigung. Ich habe bei plötzlich langsamen Verbindungen bis hin zu Sync-Verlusten und gleichzeitig hohen Werten für "Forward Error Correction", CRC, etc. schon öfters Kontaktprobleme der Leitungen zwischen Telefondose, NT-Split und Fritzbox ausmachen können, die mit etwas Kontaktspray behoben werden konnten.

Jost
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Konstruktionen mit Telefondosen

Beitragvon Jost » 01.10.2009, 16:05

Hallo zusammen,

ich wollte auch noch etwas beitragen. Aus der Zeit vor ISDN stammen noch diverse Konstruktionen, die heute in der Regel nicht mehr sinnvoll sind, aber oft einfach noch nicht abgebaut wurden bzw. vom Vormieter so hinterlassen wurden. Diese können verschiedene Störungen bei der Nutzung von DSL verursachen.

An einem analogen Telefonanschluss hat man immer nur eine Telefonnummer. Man kann dennoch mehrere Geräte gleichzeitig anschließen. Zum Beispiel ein Fax und ein Telefon. Während man telefoniert, kann man allerdings kein Fax empfangen.
Wer gleichzeitig ein analoges Modem und ein Telefon betreibt, kann nicht telefonieren, solange er im Internet ist.

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Hier eine Telefondose wie sie jeder kennt. Der F-Anschluß ist für ein Telefon vorgesehen. An den N-Anschlüssen können andere Geräte wie Fax, Modem und Anrufbeantworter angeschlossen werden.

Wenn die Schraube an der Vorderseite geöffnet wird und der Deckel entfernt wird, sieht man die sechs Anschlussklemmen. An den Klemmen eins und zwei sind die beiden Drähte angeschlossen, die vom Hausanschlußkasten (APL) kommen.

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Mehrere Telefondosen Dosen können relativ einfach als Reihenschaltung zusammengeschalten werden. Es kann in der gesamten Schaltung allerdings nur ein Telefon verwendet werden. Sobald an der ersten Dose ein Telefon angeschlossen wird, sind die anderen beiden Dosen komplett tot.
Anders sieht es mit Faxgeräten, Modems und Anrufbeantwortern aus. An Dose eins kann z.B. ein Fax, an Dose zwei ein Modem und an Dose drei ein Telefon betrieben werden.
Diese Geräte laufen dann allerdings alle unter einer Nummer. Sobald z.B. jemand übers Modem im Internet surft kann weder gefaxt noch telefoniert werden.

Um zwei Telefone an einem analogen Anschluß zu betreiben, kann man zwei Telefondosen parallel schalten. Dabei werden an den ersten beiden Klemmen zwei zusätzliche Drähte angeklemmt, die zur zweiten Dose führen. Bei einem Anruf klingeln beide Telefone.
Es können allerdings nicht zwei Telefonate gleichzeitig geführt werden. Wenn man mit einem Telefon telefoniert und am anderen abhebt, kann man das Gespräch mithören. Deshalb war diese Schaltung auch nie ganz legal und wurde auch nicht von der Telekom so geschalten.

Eine sehr beliebte Methode um zwei Telefone an einem analogen Anschluß zu betreiben war ein autmatischer Mehrfachschalter (häufig direkt in die erste TAE integriert). Hier klingeln bei einem ankommenden Anruf beide Telefone. Das Gespräch wird dem Telefon zugestellt, an dem zuerst angenommen wird. Das zweite Telefon ist dann tot.

Probleme mit DSL:
Bei DSL-Anschlüssen kommt in der Regel ein Splitter zum Einsatz. Dieser trennt das Telefonsignal vom DSL-Signal. Er sollte direkt an den Kabeln angeklemmt werden, die vom Hausanschluß (APL) kommen. Wenn nur eine Telefondose vorhanden ist, kann er auch problemlos an dieser Dose angeschlossen werden.
Bei Schaltungen mit mehreren Telefondosen kommt es zu Problemen, wenn der Splitter einfach an eine der vorhanden Dosen angeschlossen wird.

Mögliche Lösungen sind:
- Alle TAEs bis auf eine abklemmen und dort Splitter / Telefon / Modem anschließen.
- Den Splitter vor der ersten Anschlußdose anklemmen.

Besonders tückisch:
Bei einem AMS / AWADo funktioniert DSL solange an der entsprechenden Dose telefoniert wird. Beim Kunden entsteht der Eindruck, es funktioniert nur in dem Moment, wenn er bei der Hotline anruft.

VL-Bauteil
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Bei kurzen TALs (<1000m) hat die Telekom vor Einführung von ISDN (also vor 1989) häufig ein zusätzliches Bauteil in den Telefondosen angebracht, um die Lautstärke etwas zu dämpfen und Übersprechen auf andere Leitungen zu verhindern. Dieses Bauteil trägt in der Regel die Aufschrift VL (Verlängerungsleitung).

Für DSL-Verbindungen ist dieses Bauteil allerdings sehr störend, da es die Leitungsdämpfung stark erhöht (um ca. 30 dB)

Das Bauteil besteht aus zwei 130 Ω Widerständen und einem 0,047 µF Kondensator. Es handelt sich um Dämpfungsglied bzw. einen Spannungsteiler.

Es sollte in jedem Fall entfernt werden.

Siehe auch einen Erfahrungsbericht zum VL-Bauteil hier:
viewtopic.php?t=2078

Die Bilder hier sind alle selbst mit Paint gemalt und die Texte ebenfalls selbst verfasst. Es darf alles gerne auch auf anderen Seiten verwendet werden.

Auf http://www.tocker.de gibts ebenfalls sehr gute Informationen zu ISDN und TAE-Schaltungen. Die Bilder dort gehören natürlich dem Betreiber der Homepage und sollten nicht ohne seine Einwilligung verwendet werden.
Zuletzt geändert von Jost am 22.06.2011, 17:21, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß,
Jost
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Temperaturprobleme bei Modems

Beitragvon NetWraith » 14.10.2009, 20:35

Ein weiterer Grund, weshalb eine DSL-Verbindung - sprich Synchronisation - abbrechen kann, sind Temperaturprobleme.
Das soll jetzt nicht heißen, daß bei warmen Wetter die Verbindung abbricht, sondern vielmehr, daß das Modem oder der Router auch etwas Kühlung bedarf.

Da das Modem oder der Router, wenn es/er einmal funktioniert einfach hinter den Schreibtisch oder einem Schrank zu besseren Optik "verbannt" wird, denken viele User nicht daran, daß dieser auch Frischluft zur besseren Kühlung benötigt.

In einem solchen Gerät arbeitet meist ein Chipsatz, der für die gewünschte Funktion ordentlich Wärme produziert. Da die Hersteller gerade bei Temperaturspezifikationen wenig "Overhead" einplanen, sollte ein Modem bzw. der Router immer so platziert werden, das die Luft ungehindert von unten nach oben durch die Lüftungsschlitze des Gerätes strömen kann.
Wenn man dies beachtet, kann man auch ausschließen, daß des Modem aufgrund von Temperaturproblemen einen Synchronisiationsabbruch produziert.

Es gibt auch "Extremisten", die einem Modem zusätzliche Lüftungslöcher verpassen oder dieses aktiv kühlen. Solche Beispiele findet man zum Beispiel hier:
http://forum.mhilfe.de/viewtopic.php?p=44821#44821
oder hier:
http://forum.mhilfe.de/viewtopic.php?p=44772#44772

Also achtet darauf, daß das Modem nicht total verbaut ist oder in der Nähe einer anderen starken Wärmequelle ist. Denn bei hinreichender Kühlung sollte es diesbezüglich keine Probleme mit der DSL-Verbindung geben.

vy 73 ...
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Beitragvon Nokia6681 » 10.01.2010, 01:40

Du, in dem gelben Netzwerkkabel da fehlen noch 2 Windungen damit das richtig passt, so wirst du immer noch Störungen haben !!!!!

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Weitere lesenswerte Links rund um die DSL-Technik

Beitragvon NetWraith » 24.01.2010, 12:15

Damit nicht alle Informationen in diversen Themenbeiträgen untergehen habe ich noch ein paar lesenswerte Links zum Thema DSL zusammen getragen, sofern Sie nicht schon weiter oben aufgeführt sind:

Zum Thema DSL:
Zum Thema stromkompensierte Drosseln:
Zum Thema Übersprechen:

Die folgenden Links sollte sich jeder durchlesen, der sich über sinkende Synchronisationsraten beschwert.

Zum Thema Störfestigkeit:


Ich weiß, diese Artikel sind zum Teil hochtechnisch und in Englisch, aber leider ist das DSL-Signal auch "etwas" komplexer aufgebaut, um überhaupt Datenraten bis zu 25Mbit/s auf einer einfachen Kupferdoppelader zu ermöglichen.
Gleichzeitig wurde von Beginn an (ADSL1) durch das eingesetzte Modulationsverfahren und diverse Algorithmen die Möglichkeit geschaffen, viele Anschlüße möglichst störungsfrei parallel zu schalten. Die Weiterentwicklungen von ADSL2 bis zu ADSL2+ steigerten nicht nur die max. mögliche Übertragungsrate, sondern verbesserten auch die Störunempfindlichkeit bei Übersprechen auf den Leitungen.

Vielleicht hilft es ja den einen oder anderen User das Thema DSL und den damit möglichen Datenraten besser zu verstehen. Denn auch bei VDSL werden die gleichen Probleme wieder auftreten, wenn entsprechend viel Anschlüße in einem Fernmeldekabel geschaltenen worden sind.

vy 73 ...
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Zuletzt geändert von NetWraith am 25.09.2010, 15:21, insgesamt 2-mal geändert.
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