Ärger mit Abmahnanwälten

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HubertH
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Ärger mit Abmahnanwälten

Beitragvon HubertH » 10.03.2013, 08:39

Hallo,

einer meiner Kollegen ist in die Fänge eines Kölner Abmahnanwalts geraten. Angeblich wurde in einer Tauschbörse ein Musiktitel über seine IP-Adresse upgeloadet. Der Kollege besitzt weder die fragliche Datei, noch war zum fraglichen Zeitpunkt irgendjemand aus seiner Familie zu Hause.

450 € soll der Spaß kosten.

Mich hat der Fall recht nachdenklich gemacht. Wie kann man sich als Internetuser am Besten schützen? Wie kann ich die lose Behauptung eines Abzockanwalts am Besten entkräften. Feste IP-Adresse (gibts sowas noch?). Monat für Monat die Einzelverbindungsübersicht ausdrucken?? Ich bin etwas ratlos.

Der oben geschilderte Fall steht kurz vor der Verjährung. Ich dachte immer, die Nutzungsdaten würden nur noch kurze Zeit gespeichert. Kommen diese Anwälte immer noch massenhaft an Nutzerdaten?

Soll und muss ich mich vor so etwas schützen??

Bin für jede Antwort dankbar!

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Re: Ärger mit Abmahnanwälten

Beitragvon Namenlos » 18.03.2013, 13:55

Hallo,

erstmal ignorieren und nichts machen, noch nicht mal widersprechen. Meist erledigt sichs von selbst. Wenn nicht, dann kann er imer noch widersprechen. Fakt ist, es muss natürlich nachgewiesen werden, dass er es runtergeladen hat was natürlich bedeutet, dass er die IP an dem Tag hatte.

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Re: Ärger mit Abmahnanwälten

Beitragvon HubertH » 19.03.2013, 05:52

Danke für Deine Antwort.

Mir geht es auch darum, was ich tun kann, damit ich auf der sicheren Seite bin. Ok mein router ist passwortgeschützt. Aber mehr habe ich nicht unternommen. Vielleicht hat irgendjemand eine Idee, was zu tun ist, damit ich im Falle eines Falles den Gegenbeweis antreten könnte.

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Re: Ärger mit Abmahnanwälten

Beitragvon Reducal » 04.04.2013, 07:40

Du musst im Fall der Fälle keinen Gegenbeweis antreten sondern dich lediglich angemessen verteidigen. Wenn eine Abmahnung ins Haus flattert sollte man unbedingt den Rat eines Anwalts für Medienrecht in Betracht ziehen, wenn man die Abwehr der Forderung nicht selbst übernehmen kann. Vorsicht ist aber mit jedem Schreiben an den Abmahner und die Einhaltung der Fristen geboten, da man mit jeder falschen/unüberlegten Äußerung seine eigene Position schwächen könnte.

Bei solchen Abmahnungen i. S. Filesharing geht es (wenn es kein Fake ist) immer darum, dass über den Internetanschluss des Abgemahnten ein urheberrechtlich geschütztes Werk im Internet angeboten worden ist. Dabei ist es unerheblich, ob derjenige zu Hause war oder nicht - wenn der Computer an und mit dem Internet verbunden war. Die Abmahnindustrie zieht sich über technische Dienstleister die geschützte Datei, weil sie der Computernutzer hierzu frei gegeben hat - Shared Folder! Der Vorgang wird protokolliert, es wird ein Hashwertvergleich der Datei mit dem Original hergestellt und dann zeitnah die IP des Nutzers über einen s. g. Feststellungsbeschluss durch eine AG (vornehmlich Köln) oder ein LG (z. B. in München) erwirkt. Mit diesem Beschluss stellt der Abmahner, im Auftrag des Rechteinhabers, zumindest den registrierten Inhaber des Internetanschlusses fest, zumeist aber nicht den physikalischen Ursprung und somit nicht den konkreten Standort des Rechners.

Hierbei kann durchaus auf die s. g. Mitstörerhaftung des Anschlussinhabers und die s. g. (noch gültige) 100-€-Deckelung bei nicht gewerblichen Angeboten verwiesen werden.

HubertH hat geschrieben:was ich tun kann, damit ich auf der sicheren Seite bin.

Keine geschützten Dateien bereit stellen, nicht an Filesharing teil nehmen. Außerdem sollte man auch stets im Auge behalten, wer so alles das Netzwerk nutzt und ggf. (zur Rechtfertigung) dokumentieren, wenn andere Leute ihre Peripherien in das Netzwerk einbinden.

Beispiel:
Papa ist Anschlussinhaber, Tochter nutzt das WLAN und deren temporärer Freund kurzzeitig mal eben mit dem eigenen Laptop/Tablet auch.

Wer bekommt die Abmahnung? Natürlich der Papa! Der muss sich jedoch allenfalls die Mitstörerhaftung zurechnen lassen, auch wenn es im Schreiben der Anwälte (dem ersten Anschein nach) anders behauptet wird.

Nun kommt es auf die konkrete Fallsituation an. Auf eine Unterlassungserklärung hat der Rechteinhaber (also i. V. die Anwälte) immer einen Rechtsanspruch, auch wenn die - am Beispiel mit dem Papa - modifiziert abgegeben werden sollte. Was den Schadenersatzanspruch angeht, so muss man nacharbeiten! Genau das ist dann Sache eines Anwalts, dessen Kosten sich nach dem angenommenen Streitwert berechnen. Viele Rechtsschutzversicherungen übernehmen ein erstes Schreiben eines Anwalts sogar als Erstberatung kostenlos und mehr ist oft auch nicht nötig!

Aber folgendes ist definitiv fact: nichts tun ist genau so eine schlechte Strategie, wie wild den Support der Anwälte telefonisch zu nerven oder sinnfrei Schreiben dort hin zu schicken. Außerdem bringt eine Strafanzeige gegen die Anwälte auch nichts, da es sich hierbei um eine rein zivile Angelegenheit handelt, deren Klärung es nicht die Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden ist. Manchmal geht so ein Schritt sogar nach hinten los!

@ Support von M-net: wie lange wird derzeit der Verkehrsdatensatz als Zuordnung zu den Verbindungsdaten und somit dem Benutzer bei M-net gespeichert?

Sven
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Re: Ärger mit Abmahnanwälten

Beitragvon Sven » 04.04.2013, 14:08

Reducal hat geschrieben:@ Support von M-net: wie lange wird derzeit der Verkehrsdatensatz als Zuordnung zu den Verbindungsdaten und somit dem Benutzer bei M-net gespeichert?

3 Tage.
Sven Bialaß
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Re: Ärger mit Abmahnanwälten

Beitragvon HubertH » 06.04.2013, 06:47

Danke für die ausführliche Antwort

komodowaran
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Re: Ärger mit Abmahnanwälten

Beitragvon komodowaran » 12.12.2013, 10:29

Ja vielen Dank für die Erklärungen!


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