Router bekommt mangels Präfix keine IPv6 an neuem Glasfaseranschluss (z.B. Zyxel)

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problemkunde40
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Router bekommt mangels Präfix keine IPv6 an neuem Glasfaseranschluss (z.B. Zyxel)

Beitragvon problemkunde40 » 22.02.2019, 14:04

Es geht um einen relativ neuen Glasfaseranschluss, mit dem keine IPv6-Verbindung zustande kommt bzw. an dem anscheinend die providerseitige IPv6-Vergabe nicht funktioniert.

Mit einem Zyxel SBG5500 gelingt zwar die PPP-Authentifizierung, er bekommt aber keine IPv6-Adresse zugewiesen und hat daher keine Internetverbindung. Zyxel-Techniker haben den Fall untersucht und im Traffic-Mitschnitt entdeckt, dass im Router Advertisement vom Provider an den Router das IPv6-Präfix fehlt, obwohl das Netzwerk "stateless" ist. Anscheinend entsprechen die durch die Gegenstelle von Mnet verschickten RAs also nicht dem Standard, an den sich Zyxel hält und deshalb funktioniert die Verbindung nicht.

Ist jemandem dieses Problem bekannt?



Hier noch weitere Details:

In der Schnittstellenbeschreibung steht:
"IPv6 Konfiguration: SLAAC gemäß RFC 4862"
Und in RFC 4862 steht unter Punkt 5.5:
"Prefixes are obtained from Prefix Information options contained in Router Advertisements."
Genau da fehlen diese ICMPv6-Prefix-Informationen jedoch, was offenbar einen Verstoß gegen den Standard darstellt.

Ich will darauf hinweisen, dass es sich *nicht* um eine Fehlkonfiguration eines einzelnen Routers handeln kann, falls die IPv6-Adressvergabe bei Mnet wirklich nicht standardkonform abläuft. In dem Fall müssten auch alle anderen Router, die standardkonform arbeiten, dasselbe Problem haben. Hat vielleicht jemand einen anderen Router, der nicht vom AVM kommt, an einem neuen Glasfaseranschluss in München zum Laufen gebracht?

Jeder Supportmitarbeiter von Mnet sagt sinngemäß, dass man eben Pech gehabt hat, wenn man keine Mnet-Fritzbox verwendet, ohne auf das beschriebene Verhalten einzugehen (man könnte ja widersprechen, falls meine Interpretation falsch sein sollte).
Eine selbst gekaufte Fritzbox funktioniert an dem Anschluss, wenn die IPv6-Einstellung auf "automatisch" steht. Nachdem im RA jedoch kein Präfix steht, dafür jedoch in der DHCP-Antwort, sucht die Fritzbox das Präfix offenbar in der DHCP-Antwort, wenn es im RA fehlt. Wenn der zitierte Standard zutreffend ist, wäre das jedoch ein nicht standardkonformes Verhalten (ein Fehler wird mit einem zweiten ausgeglichen), siehe RFC 2462 5.2 (zum gesetzten O-Flag):
"The flag indicates whether or not information _other than addresses_ is to be obtained using the stateful autoconfiguration mechanism."

Die Fritzbox dient nur zu Testzwecken. Eine Fritzbox kommt nicht infrage, da ich einen zuverlässigen Router benutzen möchte. Fritzboxen fallen oft aus (v.a. Telefonie) und haben neuerdings immer mehr Fehler (Freigaben- und andere Einstellungen werden bspw. nicht richtig gespeichert und funktionieren nicht mehr).

Für Hinweise wäre ich dankbar.
(Ich habe die Forensuche benutzt, aber nur einen alten Beitrag gefunden, der in einem Nebensatz von Präfixen spricht, weshalb mir ein neues Thema sinnvoller erschien.)

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Re: Router bekommt mangels Präfix keine IPv6 an neuem Glasfaseranschluss (z.B. Zyxel)

Beitragvon Yusuf » 22.02.2019, 14:16

Thema verschoben in den Bereich "Kunden helfen Kunden".
Zu Fremdgeräten können wir leider keinen Support geben. Evtl kann Dir ein anderer User das Anliegen beantworten.
Zu Deinen Anliegen hat unsere Systemtechnik bereits mit Dir Kontakt gehabt.

Gruß,
Yusuf

problemkunde40
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Re: Router bekommt mangels Präfix keine IPv6 an neuem Glasfaseranschluss (z.B. Zyxel)

Beitragvon problemkunde40 » 22.02.2019, 14:46

Da ich mit dieser Reaktion gerechnet habe, habe ich geschrieben:
Ich will darauf hinweisen, dass es sich *nicht* um eine Fehlkonfiguration eines einzelnen Routers handeln kann, falls die IPv6-Adressvergabe bei Mnet wirklich nicht standardkonform abläuft.


Schließlich geht es, wenn meine Interpretation korrekt ist, um einen Fehler in den RAs von Mnet und nicht im Router.

Es ist auch richtig, dass es bereits Kontakt mit dem Support gab (mehrmals). Leider ist bisher niemand auf das eigentliche Problem eingegangen.

/me
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Re: Router bekommt mangels Präfix keine IPv6 an neuem Glasfaseranschluss (z.B. Zyxel)

Beitragvon /me » 22.02.2019, 19:23

problemkunde40 hat geschrieben:Und in RFC 4862 steht unter Punkt 5.5:
"Prefixes are obtained from Prefix Information options contained in Router Advertisements."
Genau da fehlen diese ICMPv6-Prefix-Informationen jedoch, was offenbar einen Verstoß gegen den Standard darstellt.


Eine Option nicht zu nutzen kann für sich genommen schlecht eine Verletzung des Standards sein.

problemkunde40 hat geschrieben:Eine selbst gekaufte Fritzbox funktioniert an dem Anschluss, wenn die IPv6-Einstellung auf "automatisch" steht. Nachdem im RA jedoch kein Präfix steht, dafür jedoch in der DHCP-Antwort, sucht die Fritzbox das Präfix offenbar in der DHCP-Antwort, wenn es im RA fehlt. Wenn der zitierte Standard zutreffend ist, wäre das jedoch ein nicht standardkonformes Verhalten (ein Fehler wird mit einem zweiten ausgeglichen), siehe RFC 2462 5.2 (zum gesetzten O-Flag):
"The flag indicates whether or not information _other than addresses_ is to be obtained using the stateful autoconfiguration mechanism."

Die Fritzbox fordert von M-net einen Präfix (DHCPv6 prefix delegation, DHCPv6-PD) an und bekommt diesen auch. Das wird weder über das O- noch über das M-Bit gesteuert. RFC2462 ist übrigens obsolet.In der aktuellen RFC4862 wirst du den zitierten Satz aus RFC2462 nicht mehr finden.

M-net vergibt für den Link zwischen M-net und dem Kundenrouter keine dedizierten IPv6-Adressen. Der Kundenrouter muss sich einen Präfix per DHCPv6-PD holen und kann ein Netz aus diesem Präfix für die WAN-Seite verwenden. Das funktioniert problemlos mit diversen Herstellern.

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Re: Router bekommt mangels Präfix keine IPv6 an neuem Glasfaseranschluss (z.B. Zyxel)

Beitragvon problemkunde40 » 22.02.2019, 22:52

Vielen Dank für deine Antwort!

/me hat geschrieben:
problemkunde40 hat geschrieben:Und in RFC 4862 steht unter Punkt 5.5:
"Prefixes are obtained from Prefix Information options contained in Router Advertisements."
Genau da fehlen diese ICMPv6-Prefix-Informationen jedoch, was offenbar einen Verstoß gegen den Standard darstellt.


Eine Option nicht zu nutzen kann für sich genommen schlecht eine Verletzung des Standards sein.

Der Zyxel-Techniker hat mir erklärt, dass das Präfix im RA enthalten sein *muss* (Punkt 5.5 hat er dabei ausdrücklich genannt). Und nachdem in dem oben zitierten Satz auch steht, dass das Präfix aus dem RA gewonnen wird, sah ich das als Bestätigung seiner Aussage. Der Satz erschien mir ausreichend eindeutig, weshalb ich diese Variante nicht als eine mögliche Option aufgefasst habe.
Anscheinend habe ich da etwas falsch verstanden?

/me hat geschrieben:Die Fritzbox fordert von M-net einen Präfix (DHCPv6 prefix delegation, DHCPv6-PD) an und bekommt diesen auch. Das wird weder über das O- noch über das M-Bit gesteuert. RFC2462 ist übrigens obsolet.In der aktuellen RFC4862 wirst du den zitierten Satz aus RFC2462 nicht mehr finden.

Vielen Dank für den Hinweis, dass RFC2462 obsolet ist! Damit wären auf jeden Fall meine Aussagen diesbezüglich hinfällig.

/me hat geschrieben:Der Kundenrouter muss sich einen Präfix per DHCPv6-PD holen und kann ein Netz aus diesem Präfix für die WAN-Seite verwenden. Das funktioniert problemlos mit diversen Herstellern.

Dann muss ich einen anderen Router an dem Anschluss testen. Vielleicht einen von Lancom. Laut Zyxel soll sich Mnet angeblich nicht standardkonform verhalten und ich fand die Argumente überzeugend, doch ich bekomme Zweifel...

/me
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Re: Router bekommt mangels Präfix keine IPv6 an neuem Glasfaseranschluss (z.B. Zyxel)

Beitragvon /me » 24.02.2019, 10:02

problemkunde40 hat geschrieben:Der Zyxel-Techniker hat mir erklärt, dass das Präfix im RA enthalten sein *muss* (Punkt 5.5 hat er dabei ausdrücklich genannt). Und nachdem in dem oben zitierten Satz auch steht, dass das Präfix aus dem RA gewonnen wird, sah ich das als Bestätigung seiner Aussage. Der Satz erschien mir ausreichend eindeutig, weshalb ich diese Variante nicht als eine mögliche Option aufgefasst habe.

Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten, wie ein Host-Interface zu einer öffentlichen IPv6-Adresse kommt:
  • SLAAC, falls im Router-Advertisement die Prefix Option vorhanden ist und Präfixe mit A-Flag enthält
  • DHCPv6-IA_NA, falls im Router-Advertisement das M-Flag gesetzt ist
  • "manuell"
Die drei Varianten sind auf einem Interface parallel nutzbar. Manuell kann hier auch bedeuten, dass der Präfix aus dem DHCPv6-PD-Präfix abgeleitet wird. Macht die Fritzbox so. Bei anderen Herstellern kann man z.B. konfigurieren, dass das 42. /64 aus dem DHCPv6-PD-Präfix verwendet wird.

Es wäre auch eine valider Ansatz, das WAN-Interface am Kundenrouter ohne öffentliche IPv6-Adresse zu betreiben. Der Kundenrouter muss dann allerdings für selbst generierten Traffic in Richtung Internet eine öffentliche IPv6-Adresse von einem anderen Interface als Quelle verwenden.

problemkunde40
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Re: Router bekommt mangels Präfix keine IPv6 an neuem Glasfaseranschluss (z.B. Zyxel)

Beitragvon problemkunde40 » 27.02.2019, 17:18

/me hat geschrieben:Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten, wie ein Host-Interface zu einer öffentlichen IPv6-Adresse kommt:
  • SLAAC, falls im Router-Advertisement die Prefix Option vorhanden ist und Präfixe mit A-Flag enthält
  • DHCPv6-IA_NA, falls im Router-Advertisement das M-Flag gesetzt ist
    ...

So war auch mein Verständnis, dass es (nur) diese beiden Varianten gibt. Variante #1 wird bei anderen Anschlüssen (z.B. Telekom) benutzt, nicht aber bei Mnet. Variante #2 trifft ja auch nicht zu.

/me hat geschrieben:
  • "manuell"
  • Die drei Varianten sind auf einem Interface parallel nutzbar. Manuell kann hier auch bedeuten, dass der Präfix aus dem DHCPv6-PD-Präfix abgeleitet wird.

    "Manuell" verstehe ich jetzt eben so, dass es eben doch - anders als Zyxel sagt - am Router liegt, sein Präfix auf einem anderen Wege einzuholen, wenn es nicht im RA steht. In diesem Fall also trotzdem per DHCP.
    Mir ist auch aufgefallen, dass im RFC 4862 unter Punkt 5.6 sogar steht, dass beides zum Einsatz kommen kann (also das Gegenteil dessen, was Zyxel mir erklärt hat).

    /me hat geschrieben:Es wäre auch eine valider Ansatz, das WAN-Interface am Kundenrouter ohne öffentliche IPv6-Adresse zu betreiben. Der Kundenrouter muss dann allerdings für selbst generierten Traffic in Richtung Internet eine öffentliche IPv6-Adresse von einem anderen Interface als Quelle verwenden.

    Ich denke, es wäre auch valide, wenn man manuell eine öffentliche IPv6-Adresse einstellen würde, welche exakt das Präfix benutzt, welches der Provider mir in dem Moment sowieso zugewiesen hat. Aber eigentlich soll es ja automatisch funktionieren, wie bei anderen Routern.

    Der betroffene Zyxel-Router gibt bei der Adressgenerierung also offenbar zu früh auf und Zyxel hat die Schuld auf den Provider geschoben. Ich hatte auch nicht alle relevanten Stellen im Standard überblickt, um zu erkennen, dass das falsch ist. Das Verhalten von Mnet scheint aber durchaus legitim zu sein, wenn auch ungewöhnlich.


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