keine Herausgabe der Zugangsdaten unrechtmäßig?

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schlurch
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keine Herausgabe der Zugangsdaten unrechtmäßig?

Beitragvon schlurch » 06.09.2012, 13:10

Manche Kunden stört ja der Umstand, dass sie die Zugangsdaten bei Glasfaseranschlüssen nicht erhalten. Aus Unternehmenssicht ist dies für die große Masse auch sinnvoll, um den Supportaufwand gering zu halten. Für einzelne User kann das aber auch einschränkend sein, weil sie nicht mehr ihren Wunsch-Router einsetzen können.

Es scheint Bewegung in diese Sache zu kommen, siehe nachfolgende Info.

Heise-Meldung von heute (06.09.2012):

Bundesnetzagentur überprüft Blackbox-Zwang für DSL-Anschlüsse

Viele Anbieter zwingen den Kunden dazu, bei Abschluss eines Vertrags einen Router zu erwerben. Sie setzen dann meist Geräte ein, die sich nach Anschluss automatisch oder nach Eingabe eines Installationscodes konfigurieren und eine Fehlkonfiguration durch den Anwender unmöglich machen. Das soll offensichtlich Service-Kosten sparen. Damit die Nutzer keine eigenen Geräte anschließen, teilen die Anbieter die Zugangsdaten erst gar nicht mit. Verschaffen sich Kunden Zugriff auf diese Daten, indem sie sie aus dem Router auslesen, drohen Anbieter gegenüber dem Kunden in Einzelfällen sogar mit rechtlichen Schritten.

Diese Praxis hat nun die Bundesnetzagentur auf den Plan gerufen, wie die Fachzeitschrift PC-Welt heute mitteilte. Das Zwangs-Bundling aus Anschluss und Box ist aus Sicht der Bundesnetzagentur nicht zu beanstanden. Dass die Anbieter durch die Geheimhaltung der Zugangsdaten den Anschluss anderer Hardware unmöglich machen, widerspricht aber möglicherweise einschlägigen Vorschriften des Gesetzes über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen (FTEG). Die Behörde überprüft diese Praxis derzeit, wie ein Sprecher bestätigte.

Für die Kunden ist es durchaus von Belang, ob sie die Zugangsdaten erhalten. Die zwangsweise mitgelieferten Endgeräte sind in einigen Fällen von schlechter Qualität oder haben einen geringen Funktionsumfang. Müssten die Betreiber alle Zugangsdaten herausgeben, könnten die Anwender ein Gerät eigener Wahl einsetzen. Von den großen, überregional tätigen Breitbandanbietern geben derzeit die Telekom, Congstar und 1&1 die Zugangsdaten stets heraus, Vodafone tut dies nur auf Anfrage. (uma)

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Re: keine Herausgabe der Zugangsdaten unrechtmäßig?

Beitragvon FlowBizkit » 07.09.2012, 15:08


Pierre
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Re: keine Herausgabe der Zugangsdaten unrechtmäßig?

Beitragvon Pierre » 07.09.2012, 17:28

Würden die Provider ihre Router nicht unnötigerweise kastrieren in dem sie die integrierte VOIP-Funktion für andere Rufnummern von anderen VOIP-Providern verhindern, wäre die Nachfrage nach den Zugangsdaten nicht so groß. MMn schneiden sich die Provider diesbezüglich selbst in den Finger. Mobilfunkgespräche und Auslandsgespräche überteuert und dann andere VOIP-Provider verhindern - könnte auch kartellrechtlich fragwürdig sein.

Die EU verbietet Glühbirnen (wegen angeblich zu hohem Stromverbrauch - dabei ist der zusätzliche Heizeffekt sicherlich im Winter nicht verkehrt) und der M-Net-Kunde soll ein Turmbau an stromfressenden Geräten zu Hause aufbauen um die heutigen Möglichkeiten der Technik nutzen zu können? Sehr Fragwürdig! Da sollten die Stadtwerke doch lieber stoßfeste Glühbirnen vertreiben.

Würde man die Kastrierung aufheben, und man würde die Zugangsdaten nur auf Anfrage mitteilen, wäre die Nachfrage unter Garantie gering und damit auch die Problemfälle in der Wartung.

Die aktuelle Verhaltensweise von etlichen Providern lockt Problemlöser auf den Plan, die sicherlich auch nicht unbedingt erwünscht sind und mittelfristig etlichen Ärger machen können. So entsteht inzwischen immer mehr Software, welche in der Lage sein soll, derartige Router von AVM wieder vollwertig zu machen. Führt sicherlich dann gehäuft zu "defekten" Routern.

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Re: keine Herausgabe der Zugangsdaten unrechtmäßig?

Beitragvon norg » 10.01.2013, 14:19

Weil ihr hier ja diskutiert habt, hab ich mal bei der Bundesnetzagentur nachgefragt, die Antwort findet ihr hier:

http://pastebin.com/F7UHra0h

Fazit: Rechtlich kann es M-Net wohl so durchziehen mit ihrem Trick in der AGB bzgl. Anschluss/Wanddose. Gesetzgeber ist also gefragt die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu konkretisieren und kundenfreundlicher zu machen. Dass man selber die Daten ausliest und mit einem anderen Gerät nutzt, kann einem nicht verboten werden, nur eben auch kein Support bzw. Garantie zu angeboten werden.

Evtl. hilft das Einigen hier weiter.

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Re: keine Herausgabe der Zugangsdaten unrechtmäßig?

Beitragvon norg » 22.01.2013, 15:45


Pierre
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Re: keine Herausgabe der Zugangsdaten unrechtmäßig?

Beitragvon Pierre » 23.01.2013, 09:41

Je mehr Provider den Router vorschreiben, also zu einem Netzbestandteil machen, umso eher stirbt der Markt für Router. Auch steigt die Preisverhandlungsmacht der Provider gegenüber den Routerhersteller. Letztere haben dann kein Interesse mehr ein sinnvolles Funktionsbouquet für den Anwender bereit zu stellen. Sie müssen nur noch "billig" sein. AVM ist bei dem Funktionsbouquet für den Privatanwender führend - es trifft also diese Firma mittelfristig am stärksten. Meiner Meinung nach ist deshalb nicht mehr die Bundesnetzagentur sondern das Kartellamt zuständig. AVM ist jedoch in der schwierigen Lage dann gegen ihre eigenen Großkunden beim Kartellamt vorgehen zu müssen. Man sollte sich deshalb an seinen Bundestagsabgeordneten wenden.

thomas089
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Große Koalition will Zwangsrouter der Provider verhindern

Beitragvon thomas089 » 16.11.2013, 15:29

endlich tut sich mal was:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/ ... 40896.html

Verhandlungsführer von CDU/CSU und SPD fordern im Rahmen der Koalitionsgespräche das Aus für den sogenannten Routerzwang. Sie haben sich in der Unterarbeitsgruppe "Digitale Agenda" auf eine gesetzliche Klarstellung zum sogenannten "Netzabschlussgerät" verständigt, wie heise online aus Berliner Kreisen erfuhr. Der Nutzer muss ihrer Ansicht nach beim Einsetzen von Routern die freie Wahl haben. Um dies festzuschreiben, sollen das Telemediengesetz und das Telekommunikationsgesetz entsprechend präzisiert werden.

Ohne eine solche Klarstellung sehen die Netzpolitiker der geplanten großen Koalition die "große Gefahr, dass weiteres deutsches Know-how" in der Hardwarefertigung in Richtung Asien abfließt und der Netzabschlusspunkt immer weiter zugunsten von Kabelbetreibern und anderen Zugangsanbietern und zulasten der Nutzer verschoben wird.

Einige Provider schreiben derzeit ihren Kunden mit dem Segen der Bundesnetzagentur den Einsatz eines vom Provider vorgegebene Routers vor; sie geben keine Zugangsinformationen mehr heraus, mit denen Nutzer eigene Router für den Internet-Anschluss konfigurieren könnten. Dagegen häufen sich die Proteste.

Gerade hat sich der Chaos Computer Club (CCC) in einer Stellungnahme gegen diese Praxis gewandt. Die Hackervereinigung fordert, dass Privatnutzer und Unternehmen offene, nicht-proprietäre Hardware für den Netzzugang verwenden dürfen. Wenn eine große Anzahl von Kunden den gleichen Typ Endgerät benutze, entstehen dem CCC nach "Sicherheitsrisiken, die jede Monokultur mit sich bringt". Damit seien "großflächige Angriffe auf die Netzwerkinfrastruktur" möglich.

Zudem sei der Funktionsumfang vorkonfigurierter und vorgeschriebener Router oft begrenzt und es könne zu Inkompatibilitäten mit anderen Endgeräten kommen, halten die Hacker fest. Nicht zuletzt würden die Zwangsrouter bei einem Providerwechsel nutzlos und zu umweltbelastendem Abfall. Zuvor hatten sich bereits die Free Software Foundation Europe (FSFE) und andere Initiativen für freie Software entschieden für die Freiheit der Verbraucher bei der Routerwahl und für den freien Wettbewerb ausgesprochen. Auch das Bundeswirtschaftsministerium zog im Sommer schon im Rahmen einer Initiative für die Netzneutralität gegen den Routerzwang zu Felde.

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Re: keine Herausgabe der Zugangsdaten unrechtmäßig?

Beitragvon Iarn » 16.11.2013, 21:09

Was mich wundert: wenn m-net den Router als Teil seiner Infrastruktur ansieht, dann müssten eigentlich die Stromkosten auch von m-net getragen werden oder?

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Re: keine Herausgabe der Zugangsdaten unrechtmäßig?

Beitragvon norg » 18.11.2013, 09:28

Iarn hat geschrieben:Was mich wundert: wenn m-net den Router als Teil seiner Infrastruktur ansieht, dann müssten eigentlich die Stromkosten auch von m-net getragen werden oder?

Genau genommen ja, genauso rechtliche Verantwortlichkeit.


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